Der Meister himself


Ansprache des Vertreters de Ehemaligen
bei der 50 Jahr-Feier der
Wilhelm-Fabry-Realschule Hilden
am 18. Juni 2005

Verehrte Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Ehemaligen, verehrtes Lehrerkollegium,
liebe Frau Eckerth, lieber Herr Bürgermeister, lieber Herr Landrat, verehrte Gäste

Es ist mir eine besondere Freude dabei zu sein, wenn die frühere Städtische Knabenrealschule, meine sog. Mittelschule von 1956 bis 1962, heute ihren 50. Geburtstag feiert. Daher vielen Dank für die Einladung.

Ich möchte Sie für einige Minuten teilhaben lassen an meinen rundum positiven Erinnerungen an die Schulzeit in der damals brandneuen Schule in einem alten Gebäude.

Wir, die Schüler der ersten Jahren waren – so glaube ich - die "Versuchskaninchen" für engagierte Lehrer unterschiedlichsten Alters.

Der bedauerlicherweise schon vor 9 Monaten im Alter von fast 79 Jahren verstorbene zweite Direktor der Schule, Herr Hans - Günter Eckerth, war als Junglehrer mein erster Klassenlehrer für drei und Fachlehrer für 6 Jahre.
Daneben stand der damals 61 jährige Alfred Haase, der also durchaus hätte sein Vater sein können.

Allen Lehrern dieser Jahre waren aber die Erfahrung des Kriegs- und der Nazizeit und ein erhebliches Engagement zu eigen, aus den ersten Schülern, die ebenfalls unterschiedlichen Alters waren, vorzeigbare Musterschüler und aufrechte Demokraten zu formen.

Die Beschäftigung mit der jüngsten deutschen Vergangenheit wurde daher altersgemäß, umfassend und wahrheitsgetreu vorgenommen und hat uns durchaus geprägt.

Schüler der Städtischen Knabenrealschule konnte man erst nach einer mehrtätigen Aufnahmeprüfung werden.
Entlassen wurde man nach einer bestandenen Abschlussprüfung

Mein Einschulungsjahrgang 1956 gehörte noch zu denen, die für geringe Zeit Schulgeld bezahlen mussten. Ich glaube 11 DM im Vierteljahr.

Ich weiß nicht, warum das bei mir eingestellt wurde, sei es durch die Politik oder vielleicht ist hier schon der 1956 gegründete Förderverein unserer Schule mit einem Stipendium eingesprungen ?

Der Leistungswettbewerb in der Klasse, unter den Klassen und mit anderen Schulen wurde meiner Erinnerung nach von uns recht sportlich aufgenommen.
Das Wort Schulstress war noch nicht geboren.
So hatten wir klaglos diversen Unterricht auch in den Nachmittagsstunden.

Hinzu kamen die Einschränkungen des ersten Schulgebäudes unter der Postadresse Gerresheimer Straße 74, in den früheren Unterrichtsräumen des "Lyzeums und Erziehungshauses für Töchter aus mittleren und höheren Ständen zu Hilden bei Düsseldorf" der Kaiserswerther Diakonieanstalt.

Zum Werkunterricht fuhren wir mit dem Rad durch die Stadt in fremde Schulgebäude an der Schulstraße.

Der naturwissenschaftliche Unterricht in Physik und Chemie fand in den Kellerräumen der Schule Augustastraße statt.
Dorthin waren wir per pedes unterwegs, über das Feld an der Wilhelmine Fliedner-Schule vorbei.

Ich glaube mich auch zu erinnern:
In meinem 2. Schuljahr (also der 6. Klasse) waren wir 44 Jünglinge unterschiedlichster Körpergröße und abweichendem Entwicklungstandes.
So musste wohl - zumindest bei einem unserer Lehrer - noch der Rohrstock für sogenannte Zucht und Ordnung sorgen.

Sein Urteilsspruch:
Sitzen, 5, Drei drüber, Eintrag in das Klassenbuch, Brief an die Eltern !
wurde zum geflügelten Wort bei uns Scholaren zum Ende der Fünziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Wer solche Strafen damals nicht über sich hatte ergehen lassen müssen, der war noch nicht geadelt und es roch nach Strebertum !

Kaderschmiede habe ich unsere Schule einmal an einer anderen Stelle genannt.

Der Ehrgeiz unserer Lehrer - wohl auch gegenüber anderen Schulen im Kreis – war ebenfalls im Sport ungebrochen.
"Dabei sein ist alles", war Lehrern und Schülersportlern zu wenig.

Erfreulicherweise sind die sportlichen Glanzleistungen der Ehemaligen in früheren Jubiläumsschriften der Schule gut dokumentiert.

Jetzt komme ich zum Thema Dank und möchte hier die letzte Minuten meiner Redezeit verbringen.

Wir Ehemaligen haben Dank zu sagen unseren damaligen Lehrer, von denen ich hier erfreulicherweise einige begrüßen darf.

Sie haben uns auf die angedeutete Weise unterrichtet und auch geformt.
Für einige Halbwaisen unter uns waren sie sicherlich auch Vaterersatz.

Auf der Website der Ehemaligen unter www. fabryaner. de habe ich die Abschlussrede unseres Lehrers Ernst - Albert Becker für den Entlassjahrgang 1963 veröffentlicht.
Hier wird das Erziehungsziel des ersten Lehrerkollegiums sehr deutlich, dass ich für mich bis heute anerkenne.

Ich denke aber auch, dass unsere früheren Lehrer stolz auf "ihre Jungs" sein können, die vielfach noch weiterführende Schulen besucht und durchaus Universitätsabschlüsse vorweisen können und natürlich im Leben ihren Mann gestanden haben.

Und immer haben sie zusätzlich Verantwortung für unsere Gesellschaft übernommen, sei es in der Politik, in den Kirchen oder im Bereich der Kultur.

Fabryaner und ab 1980 auch Fabryanerinnen sind überall dabei und das ist gut so !

Wer zu einer Geburtstagsfeier geht, kommt nicht mit leeren Händen:

Die Ehemaligen haben ein Geschenk für die heutige Schülergeneration mitgebracht, ein Buch mit einem Querschnitt von Bildern des STERN - Fotografen Volker Krämer, einem Mitschüler der ersten Stunde.

Volker Krämer und zwei seiner Kollegen verstarben durch die Hand von Wegelagerern am 13. Juni 1999 im Kosovo.

Volker hat sich selbst als "Fotograf der Wirklichkeit." bezeichnet, so dass jedes seiner vielfach prämierten Bilder u.E. geeignet ist, als pädagogisch vielfältig geeignetes Anschauungsmaterial in etlichen Fächern genutzt zu werden, vom Kunstunterricht bis hin zum Politik- bzw. Geschichtsunterricht.

Sollte einmal zu jedem Foto eine Bildbetrachtung von den Schülerinnen und Schülern geschrieben sein, bitte ich um eine Kopie. Dann würde sich ein Lebenskreis schließen.

Dies Buch wird von Eckard Häfker aus Hilden, einem Klassenkameraden von Volker Krämer, herausgegeben und erscheint im Atlantik-Verlag Bremen des Ehemaligen Jürgen Heiser. Es wurde mit Hilfe von privaten Spenden von ehemaligen Schülern und Lehrern und aus Hildener Stiftungsmitteln finanziert.
Das Buch kann für 10 EURO erworben werden, der Erlös der verkauften Exemplare wird der Schule und dem Fabry - Museum zugute kommen.

Im Wilhelm – Fabry - Museum ist derzeit eine Ausstellung mit Fotos von Volker Krämer zu sehen. Heute um 16.30 Uhr bietet Dr. Antweiler eine gesonderte Führung an, zu der wir herzlich einladen.

Im komme zum Schluß:
Schule ist zwangsläufig ständig im Wandel, der Auftrag aber geblieben.

Daher wünsche ich allen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, aber auch den Verantwortlichen in der Politik und der Verwaltung für die kommenden Jahre und Jahrzehnte Kraft und Ausdauer, Schaffens- und Lebensfreude, damit auch die nächsten Generationen ebenso wie wir Älteren sagen können:

Wir sind stolz auf unsere Schule und dankbar, dass wir hier Schülerinnen und Schüler sein durften. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Ihnen und uns wünsche ich ein wunderbares Fest, gute Gespräche und Glück auf

Stand: 09.10.2005

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