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Nachlese 1967 - 1973 |
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SECHS JAHRE FABRY ODER ERINNERUNGEN AUS DEM FAHRRADKELLER von Uwe Adamski (Abschlußjahrgang 1973) Vor wenigen Jahren befand ich mich zu Besuch bei einem Geschäftsfreund in Solingen-Ohligs. Da mir am Wochenende noch etwas Zeit verblieb, nutzte ich die Gelegenheit zu einem Besuch meiner alten Heimatstadt Hilden, der ich schon vor Jahrzehnten Adieu sagen mußte.
Vieles hatte sich verändert, der Innenstadtbereich wirkte moderner, aber auch zugebauter. Der von uns früher vielbesuchte Lindenplatz war nun Parkfläche für Pendler in die nahen Großstädte geworden. Schließlich führte mich mein Weg über das Holterhöfchen zu meiner alten, ehemaligen "Jungensrealschule", in der ich von 1967 bis 1973 büffeln durfte.
Der Wiedererkennungswert hielt sich damit für mich in Grenzen, bis ich wie zufällig vor der Zufahrt in den alten Fahrradkeller des Gebäudes stand. Ich war plötzlich wie vom Schlag getroffen, denn hier hatte sich seit dreißig Jahren nichts verändert! Langsam stieg ich die Stufen zum Keller hinab, und dutzende Erinnerungsfragmente bemächtigten sich meiner...
1967 war für uns ein Jahr der Veränderungen. An ein locker leichtes Lernpensum in der Grundschule sowie an Kurzschuljahre gewöhnt, war der Eintritt in die Fabry und die Umgewöhnung an völlig andere schulische Verhältnisse ein ziemlicher "Kulturschock" für einen Zehnjährigen.
Wie empört war ich, als meine Kumpels mir in den frühen Siebzigern weiszumachen versuchten, sie könnten durch die Absolvierung der zehnten Hauptschulklasse gleichfalls die Mittlere Reife erlangen. So eine Ungerechtigkeit, sollte meine ganze Büffelei für die Katz gewesen sein? Unsere Lehrer in dieser Zeit waren noch überwiegend "Autoritäten" und wurden von uns dementsprechend respektiert. Zumindest in den ersten beiden Jahren mußten wir nach der Pause in Zweierreihen vor der Treppe Aufstellung nehmen und gingen dann "gesittet" in unsere Klassenräume. Bei Eintreten des Lehrkörpers hatten wir aufzustehen und durften uns erst nach Aufforderung wieder setzen.
Gefürchtet war bei einigen Paukern das "Abhören" des Stoffes der vergangenen Lektion, da dieses benotet wurde. Clevere Mitschüler konnten sich dagegen ungefähr ausrechnen, wann sie ungefähr dran waren, da insbesondere ältere Lehrkräfte oft schematisch nach dem Alphabet im Klassenbuch "abhörten". So konnten wir uns oft ökonomischer auf bestimmte Stunden vorbereiten.
Sanktionen bei Fehlverhalten gab es relativ wenige, da die Spielregeln für uns damals ziemlich klar waren und Ausfälle nicht geduldet wurden. Die Spannbreite reichte dabei von einer einfachen Strafarbeit über den berühmten "Doppelklatscher" auf die Wangen (G. Schmelz) bis zu handfesten Stockhieben aufs Hinterteil (H. Stein).
Für eine reine Jungensschule waren wir Schüler erstaunlich "gesittet", was wohl auf die damals noch rigiden Sanktionsmechanismen zurückzuführen war. Rangeleien, "Kräftemessen" und die üblichen Schülerstreiche gab es auch bei uns, überschritt aber nie eine gewisse Schmerzgrenze. Kein Wunder, wenn einzelne Lehrer (J. Boden) noch mit Trillerpfeife auf dem Pausenhof flanierten und über die Stränge schlagende Missetäter unverzüglich zum Direx (Eckerth) brachten.
Völlig erstaunt haben wir dann auch reagiert, als einer unserer stattlichsten Pädagogen, H.-W. Stodt, von einem Schüler niedergeschlagen wurde, als er diesem das Rauchen auf dem Schulhof verbieten wollte. Mit Erleichterung nahmen wir dann zur Kenntnis, daß der Übeltäter "nur" ein Schüler der benachbarten Hauptschule war. So etwas taten Fabryaner nicht!
Die Teilnahme am Religionsunterricht wurde in den späten Sechzigern dagegen zu einer freiwilligen Angelegenheit, vor dem sich einige gern gedrückt hätten. Leider war unser Religions- gleichzeitig unser Klassenlehrer, so daß es nicht als besonders opportun erschien, dies zu tun. Alles in allem kamen in mir Erinnerungen hoch an eine Zeit, die nicht um vieles besser war als die heutige, in der wir uns durch zahlreiche "Regeln" aber besser durch den Dschungel des Zeitgeistes orientieren konnten als die Generation meiner Kinder. |

Die echten 68iger:
Die 6b von 1968/1969. Man zähle bitte die Häupter der Schüler !
Stand: 25.08.2003