|
Memorabilien |
|
Bierzeitung,vorgetragen von ihrem Autor, Wolfgang von der Ruhr,anlässlich der Nachentlassungsfeier des Jahrganges 6a von 1965 im Hotel "Monopol", Hilden. Meine sehr verehrten Herren Lehrer, liebe Mitstreiter!
Eigentlich wollte ich meinen Vortrag "Memoiren eines sehr mittelmäßigen Schülers" überschreiben. Vorausschicken möchte ich aber noch, daß Ähnlichkeiten mit anwesenden Persönlichkeiten nicht zufällig, sondern herbeigeführt sind. ![]()
Anfangs wurde es uns noch nicht so recht klar. Die Hausarbeiten waren bei uns immer tip-top. Wenn auch nicht ausschließlich auf eigenem Mist gewachsen, so doch immer: Made in Germany. Schien draußen die Sonne hell und warm, war des Schülers Aufmerksamkeit "Vom Winde verweht." Wenn wir schon die Hausaufgaben nicht gerade liebten, waren die Klassenarbeiten jedoch Verdammt in alle Ewigkeit. An solchen Arbeitstagen lag die sonst ungetrübte gute Laune der Schüler Jenseits von Eden.
Konferenzen sind etwas sehr feines. Man bekommt die letzten beiden Stunden frei. Allerdings sitzt einem dabei Die Faust im Nacken. Man weiß ja nie, was Die 12 Geschworenen gerade entscheiden. ![]() Peinlich wird es aber erst, wenn man zum Direktorzimmer bestellt wird. Es ist, ich spreche da aus eigener Erfahrung, Ein Weg zur Hölle und zurück. Dann steht man zitternd vor dem allmächtigen Zeus, vom Herrscher ohne Krone.
Mit den Ausflügen war das so eine Sache. In unseren Jugendjahren waren es noch Ferien vom Ich. Der Lehrer ist eigentlich ein Mensch wie Du und ich. Er hat nur einen Fehler. Er ist: Der Mann der zuviel wußte. Kurz vor Schulschluß wurden wir noch einmal kräftig geärgert. Referendare schlugen ihr Domizil bei uns auf. Während die Parallelklasse Wilma, den Teufel in Seide, zugeteilt bekam, machten wir mit Herrn Rothenberger Eine Reise in 80 Tagen um die Welt. Der gute Herr Rothenberger mußte sich allerdings erst damit abfinden, daß hunger in the midst of plenty, cotten king und die Reismusik die schönste überhaupt ist. ![]()
Der Förderunterricht bereitete uns immer ganz besondere Freude, denn da kam das Sandmännchen zu uns und erzählte uns Gute-Nacht-Geschichten.
Nachdem wir eine Stunde Sportbiologie bei Herrn Montag hatten, mens sana in corpore sano, wechselten alle die Zigarettenmarke. Der Schulschlaf ist ja bekanntlich der gesündeste. Wenn aber der Wonnige Donnerstag zu einem naturwissenschaftlichen Donnerstag wird, sind am Ende auch die Helden müde.
Abgeschrieben wurde bei uns nicht ........ wenig. Keiner wollte sich mit Schmutzigem Lorbeer schmücken.
Es ist der Lauf der Welt: Nach einem durchzechten Sonntag kommt der Blaue Montag, mit ihm zwei Stunden Turnen. Den Geschichtsunterricht gestaltete unser Hilfssheriff, Herr Eckerth, nach dem Motto: Do it yourself. Der Musikunterricht wurde über lange Strecken von einem harten Beethoven Blue Beat getragen, was uns immer ein freundliches Yeah, Yeah, Yeah entlockte. ![]() Herr Kauls, unser Schiebedach-Beatle, deckte uns mit Hausaufgaben immer zur Genüge ein. Manche mögen´s heiß. Und so mancher wanderte auf die Toilette, weil sein Kommentar zu der Fülle der Aufgaben eben Nicht gesellschaftsfähig war! Im Deutschunterricht, Spezialgebiet Literatur, rührten wir eifrig in den Klassikern rum. Nie aber bedienten wir uns der Blechtrommel. Vielleicht wollte Herr Stodt damit solange warten, bis Grass über unsere 6 Hundejahre gewachsen war.
So, ich glaube, ich habe nun genug geistreiches von mir gegeben. Wir wollen die Gläser erheben und auf alle die trinken, die uns schon vor dem krönenden Abschluß verlassen haben. Wolfgang von der Ruhr |
Stand: 02.05.2003