Der Meister himself


Nachlese 1955 - 1961

O tempora, o mores
oder
Nä, wat hat sich die Welt jeändert !

Bekenntnisse eines grauhaarigen Fabryaners

Bei dem Klassentreffen am 16.3.2002 ist mir bei Gesprächen aufgefallen, welche Welten doch mittlerweile zwischen "unserer" Schule (zwischen 1955 - 1961) und der heutigen Fabry-Realschule liegen.

Hier mal ein paar Beispiele:

Bei uns waren alle Fächer Pflichtfächer. Zum Aussuchen waren nur die Arbeitsgemein- schaften, die nachmittags stattfanden, wie z.B. Russisch, Niederländisch, Sport, oder alle Hauptfächer in Aufbaukursen usw. Nachteil war, dass wir uns auch durch Fächer schleppen mussten, die uns gottweisswo raushingen.
Der unbestreitbare Vorteil aber war, dass wir gelernt haben, wie man einen Stoff ins Hirn kriegt, der einen wirklich nicht interessiert. Das hat mir im Beruf sehr geholfen, war mir aber während der Schulzeit absolut nicht klar.

Wir hatten überhaupt keinen Schulstress, weil wir das Wort nicht kannten.

1b von 1955- 1961

Wir hatten ein anderes Verhältnis zu unseren Lehrern. Da gab es zwar natürlich alle möglichen Sorten (wie im richtigen Leben), aber wir haben eigentlich ihre Autorität nicht angezweifelt und das Ganze ging mehr auf einer fairen Ebene ab.

Wir sind noch Ostern versetzt worden. Das war angenehmer, weil wir im Winter, wenn sowieso nix los war, lernen konnten.
Im Sommer, wenn das Wetter schön war, brauchten wir uns nicht auf ein Versetzungszeugnis vorzubereiten, denn das Zeugnis im Herbst konnte ruhig etwas mickriger ausfallen.

Im letzten Jahr sind wir zum Abschluss eine Woche lang in allen Fächern (wie beim Abi) in Klausuren schriftlich geprüft worden. In der 2. Woche waren die mündlichen Prüfungen. Ausserdem hatten wir eine sogenannte Jahresarbeit zu schreiben über ein Thema unserer Wahl. Man rechnete mit ca. 40 Seiten.

Wir hatten noch Zensuren in Führung und Fleiss. Das hieß, man musste aufpassen, dass man da im Abschlusszeugnis mindestens Gut stehen hatte, sonst konnte man bei Bewerbungen einpacken. Das war ein probates Druckmittel, womit uns die Lehrer mal wieder den richtigen Weg weisen konnten, wenn wir aus dem Ruder liefen.
Ich fand das nicht schlecht, weil man das ja spätestens im Beruf lernen musste. Chefs lassen sich schlechtes Benehmen in der Regel nicht gefallen. Wir hatten also einen Wissensvorsprung wenn wir die Signale kannten bevor es knallt.

Wilhelmine Flieder Schule ca. 1961 Wir hatten zwar keine Mädchen in der Klasse, aber eine komplette Mädchenrealschule gegenüber mit einem gemeinsamen Schulhof, der durch eine unsichtbare Linie geteilt war.
Es wurde also nichts vermisst, weil wir auch gemeinsam in den Tanzunterricht gingen. Die älteren Lehrer haben zwar damals sehr aufgepasst (worauf eigentlich?) aber genützt hat es nicht viel.

Wir hatten noch Unterricht in anderen Schulen, weil wir ein altes, zu kleines Gemäuer auf der Gerresheimer Straße hatten. Physik, Werken und Chemie war im Keller der Augustaschule. Sport war in der Halle des Helmholtz-Gymnasiums oder in der Schule Beethovenstr. Wir waren also in den Pausen immer gut unterwegs.

Apropos unterwegs:
Mit unserem Klassenlehrer Kunstmann haben wir Latsch-Touren gemacht, die mir sehr gefallen haben. Wir sind jeweils mit dem Zug irgendwo hingefahren (z.B. Straßburg, Boppard oder nach Kassel) und haben in einer Jugendherberge geschlafen.
Am nächsten Morgen sind wir losgelatscht, haben Besichtigungen gemacht und waren nach einer Wanderung von ca. 20 km in der nächsten Jugendherberge. Am nächsten Tag ging´s weiter wie gehabt. Manchmal ging es auch wieder ein Stück mit der Bahn, aber gewandert wurde immer und das nicht zu knapp.
Dabei habe ich mir wahrscheinlich einen Defekt geholt, weil ich heute immer noch gerne laufe.

Nach der Schule trafen man sich oft in der "Palette" neben dem Kino (die gibt es heute noch). Nur war es damals eine Milchbar und ein Eiscafe.

Dort konnte man aus der Musikbox die aktuellen Hits hören. Milchbars mit Musikboxen waren damals der Hit schlechthin.
Es gab später noch eine, da wo jetzt das "Numero Uno" ist.
Das hieß Franchi und Franchi war der erste Italiener, der ein Eicafe in Hilden aufgemacht hat.

Er hatte einen schrecklichen Tod, als er mit seinem Schlips in die rotierende Eismaschine geraten ist.

Aus der Ferne betrachtet, war es eine gute Zeit, obwohl ich erst nach der Schule gerne gelernt und in der Schule nur das Notwendige getan habe, um nicht hängen zu bleiben. Man kann das natürlich auch effektives Arbeiten nennen.

Mit einem Seufzer notiert von
Eckart Häfker (geb. Gemeiner)

Wer mit dem Autor streiten will, bekommt vom Webmaster die Adresse !

Bilder 1951-1961 
Jubiläum 2001 
Klasse 6b 1961 
Erinnerungen

Stand: 19.04.2003

[zurück]
.