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Wilhelm-Fabry-Realschule in Hilden Abschlußfahrt nach Sylt Juni 1962
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Fahrt nach Sylt 1962
Wie jede letzte Klasse, so machten auch wir eine längere Abschlussfahrt. Da wir uns als Reiseziel die Insel Sylt ausgesucht hatten, legten wir die Fahrt in der Hoffnung auf gutes Wetter in die Zeit vom 02.Juni bis zum 19. Juni. Wir konnten deshalb so lange bleiben, weil wir zu den freigegebenen Tagen noch unsere Pfingstferien opferten. Seit einem Jahr hatten wir schon für die Aufbringung des Geldes gespart. Deshalb bereiteten die Fahrtkosten keine allzu großen Schwierigkeiten. Von einem unerwarteten Zuschuss bezahlten wir die Filme, die wir für das Schmalfilmgerät, das wir mitnehmen wollten, brauchten. Am Samstag, den 02. Juni, nach einem letzten Besuch auf der Hildener Kirmes, fuhren wir Punkt 23:06 Uhr von Ohligs ab. Wir hatten reservierte Plätze, um nicht Gefahr zu laufen, bis Hamburg, unserem Reiseziel, stehen zu müssen.
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links: Michael Rokitta, Rainer Ibowski
Aber geschlafen wurde während der Fahrt doch nicht. So waren wir morgens in Hamburg ziemlich müde. Hier wollten wir drei Tage bleiben. Herr Becker fuhr mit uns in der U-Bahn, während Frau Becker mit den drei Kindern zu Bekannten ging. Da es Sonntag morgen war, gingen wir natürlich auch in die Kirche. Aber die haben wir fast alle nur im Unterbewusstsein erlebt, da wir tatsächlich in der Kirche eingeschlafen sind. Die Katholiken hatten es besonders schwer. Sie waren in eine Seefahrerkirche gegangen, in der ein Pater auf französisch predigte. Da sie so gut wie nichts verstanden, schliefen die meisten ein, und sie mussten sich nach der predigt gegenseitig wecken. Am Sonntag Nachmittag fuhren wir mit der Straßenbahn hinaus zu Hagenbeck. Wir hatten zwar mit der Klasse bisher schon einige Tiergärten gesehen, aber Hagenbeck übertraf sie alle. Allerdings hinderte uns unsere Müdigkeit daran, alles genauer zu betrachten. So waren wir eigentlich richtiggehend froh, als wir abends in der Jugendherberge ins Bett sanken.
Am nächsten Tag besuchten wir die Schiffswerft Schlieker, gegenüber den St.-Pauli- Landungsbrücken. Dazu mussten wir durch den Elbtunnel, der ältesten Untertunnelung eines Flusses in Deutschland. Auf St.-Pauli "heuerten wir einen Käpten an", der uns dann mit seinem Boot durch den Hafen steuerte. Wir sahen den Freihafen, den Ölhafen, den Bananenkai, die Anlegestellen der großen Ozeandampfer und der Bugsierboote, sowie die Außen- und Binnenalster, und noch vieles andere mehr. Nachdem wir so Hamburg so vom Wasser aus kennen gelernt hatten, machten wir natürlich auch noch einen Rundgang zu Fuß, aber um eines konnten wir uns mit Erfolg herumdrücken, nämlich den "Michel", Hamburgs Wahrzeichen zu besteigen. Nach dem Abendessen hatten wir Ausgang; wir konnten nun einen Bummel nach unserem Geschmack machen (nicht Hamburg "at night" – in the evening").
In Westerland, Sylts größtem Kurort, stiegen wir in die Inselbahn um, einer Mischung aus Auto – Straßenbahn und Eisenbahn auf "kunstvoll" rostigen und verbogenen Schienen, genannt "feuriger Elias".
Ja, und dann waren wir im Fünf-Städte-Heim in Hörnum, unserem Heim, für die kommenden zwei Wochen.
Wir hatten bestes Wetter. Jeden Tag konnten wir eine halbe Stunde lang zur Zeit der Flut baden. Aber dem Sonnenbaden waren keinerlei Grenzen gesetzt. Doch da wir ja nicht nur in der Sonne liegen konnten, mussten wir auch ab und zu etwas tun.
Eigentlich gab es nur drei herausragende Sachen während unseres Aufenthaltes.
Unser Weg führte uns weiter nach List. Dieser Ort an der Nordspitze Sylts ist gleichzeitig der nördlichste Zipfel der Bundesrepublik. Der Bus brachte uns dann bis Keitum.
Als Generalprobe für eine längere Schiffsreise war der Tagesausflug zur Hallig Hooge gedacht. Obwohl wir eigentlich nur durch ruhiges Wattenmeer fuhren, gelang es einigen trotzdem seekrank zu werden.
Etwas Einmaliges für uns "Süßwassermatrosen" war natürlich die Fahrt nach Helgoland. Früh am Morgen fuhren wir mit der "Hein Godewind" ab, einem Schiff, das ständig im Liniendienst nach Helgoland steht. Es ist äußerst komfortabel und modern.
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Dann waren wir also auf Helgoland, dem roten Sandsteinfelsen in der Nordsee. Wir lösten uns in einzelne Gruppen auf und konnten nun bis zur Abfahrt des Schiffes machen, was wir wollten.
Unser Hauptanliegen aber war, billig einzukaufen. So kauften wir für fast all unser Geld Zigaretten, Whisky, Wodka, Schokolade, Kaffe und Tee ein.
Wie haben wir nun die anderen Tage ausgefüllt?
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v.l. hinten: Rainer Ibowski, Wilfried Lorig, Rainer Milles vorne: Michael Rokitta, Wolfgang Kratz
Sehr nach unserem Geschmack war die Bedienung während des Essens. Wenn an einem Tisch etwas verlangt wurde, kamen auf ein Handzeichen ein oder mehrere Küchenmädchen, die übrigens nicht nur beim Essen gern gesehen wurden. Der Spüldienst war auf alle Schüler verteilt worden. So mussten wir insgesamt nur zweimal arbeiten. Ein Spüldienst hatte es in sich. Wir waren schon fast fertig, als plötzlich ein einzelnes Spültuch durch die Luft flog und ganz aus Versehen ein Küchenmädchen traf.
Urplötzlich wurden die Zahl der sich in der Luft befindenden Spültücher vergrößert, und das Kampfgeschehen wurde auf die ganze zum Glück verkachelte Küche ausgeweitet. Ungefähr nach 10 Minuten kamen die schwereren Waffen zum Einsatz, und es entwickelte sich ein Guerillakrieg zwischen den Küchenmädchen und uns, wobei die Kämpfenden in einem Wassertrommelfeuer aus Eimern und Schläuchen schwersten Strapazen unterworfen wurden, und jede Küchenkachel erbittert verteidigt wurde. Für Sportler gab es ebenfalls im Heim viele Möglichkeiten. Hatten einen die vielen Fußballspiele gegen Manschaften der anderen Schulen noch nicht müde genug gemacht, konnte man Tischtennis spielen oder sein Glück auf der Kegelbahn versuchen.
von links: Gerd Nowock; Lehrer Becker bei der Verteilung des Toiletten-Papiers; Michael Rokitta Leider gingen aber die 14 Tage zu schnell vorbei und es kam die Zeit, dass wir den letzten Sand aus Kleider und Beddecken klopfen mussten.
Früh am 19. Juni verließen wir mit dem "feurigen Elias" das Fünf-Städte-Heim. In Westerland wartete schon der Zug nach Hamburg. Am späten Nachmittag waren wir dann wieder in Ohligs, verabschiedeten uns von der Familie Becker, nicht ohne Herrn Becker für die schöne Zeit zu danken, und dann wurden wir braun wie Neger von unseren Eltern empfangen. Abschrift aus der Klassenchronik |
Stand: 16.03.2004