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Englandfahrt 1960
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Englandfahrt der Wilhelm - Fabry - Realschule 1960
Mit reichen Erlebnissen aus dem Ferienlager in England heimgekehrt
Hildener Realschülergruppe verbrachte frohe und inhaltsreiche Wochen im Gastland
Welch eine gähnende Zeitspanne schien sich vor uns aufzutun, als wir uns in Düsseldorf für neunzehn Tage von besorgten Eltern und Geschwistern zu unserer Englandfahrt verabschiedeten. Im Strudel des Londoner Verkehrs
Da ist zunächst London mit seinem wogenden Verkehr, durch den sich unaufhaltsam die roten Klötze der Busse schieben.
Ruhe aber ist auch in dem Strom selbst, dem zwar Eile, aber nicht das verbissene Jagen nach der Sekunde anhaftet. Auch der eiligste Fahrer wartet gern eine Weile, um einen Schwarm des Linksverkehrs ungewohnter Jungen vorüberzulassen, und der menschliche Wink des "Geh-du-voran" überbrückt ständig alle Lücken einer für unser Empfinden unzureichenden Verkehrsgesetzgebung. Ein glückliches Land, das sich auf Höflichkeit und Rücksichtnahme verlassen kann und keine zwingenden Vorfahrtregeln braucht.
London, das sind auch labyrinthische U-Bahn-Tunnel mit schwüldumpfer Luft, die nur dann für Augenblicke erträglich wird, wenn der herandonnernde Zug vor sich her einen pfeifenden Luftstrom aus der düsteren Röhre presst. Es scheint, als ob nur die Schwarzen es in dieser Atmosphäre aushalten könnten, die fast ausschliesslich den Dienst in diesen stickigen Höhlen versehen. Menschen aus aller Welt Oben jedoch atmen die Menschen freier, die zu Hunderten auf den weiten Rasenflächen des Hyde-Park lagern, und die sich zu Tausenden vor dem Buckingham-Palast versammeln, um mehr als eine Stunde lang das farbenprächtige Spiel der Wachablösung vor sich vorüberziehen zu lassen. Was für ein Gemisch von Farben und Rassen hat sich hier um uns versammelt, zierliche Inderinnen in leuchtendfarbigen Saris, mondäne Negerdamen aus der Neuen Welt, Studenten aus Indonesien mit bestickten Käppchen. Und an unser Ohr dringt ein vielstimmiges Gewirr europäischer und überseeischer Sprachen, in dem jedoch Englisch aller Schattierungen den Grundton bildet. Alle diese Menschen harren hier geduldig, um noch einmal den Glanz eines zerfallenden Empire wieder aufleuchten zu sehen, das seine Verkörperung aber vielleicht mehr noch in der bestimmten aber nie endenden Höflichkeit der Polizisten findet, die uns geduldig immer wieder einige Schritte zurückzutreten bitten. Militärisches Schauspiel und Kasernenhof Man ist versucht, in dem komplizierten Exerzierritus einen Ausdruck des steifsten Militarismus zu sehen, und ist dann überrascht, wenn man ein andermal erlebt, wie dieselben Engländer, die hier ehrfürchtig dem militärischen Schauspiel beiwohnen, in lautes Gelächter ausbrechen, als auf einem Kasernenhof ein Unteroffizier armschwingend und stampfend seinen Zug herumkommandiert. Und man spürt, dass der Engländer zwar in dem historischen Schauspiel die Dinge ehrt, die ihm als Königin, Vaterland und Demokratie wert sind, dass ihm aber andererseits das Militär als Ausdruck tiefster Erniedrigung und Versklavung der freien, selbstverantwortlichen Persönlichkeit gilt; als ein notwendiges Übel und mehr nicht.
Ehre und Erschauern
Es ist die Tradition, in der man die Grösse der Vergangenheit und des gegenwärtig Erreichten ehrt, wie wir es auch im Tower erleben, wo jeder Stein von grauenhaftester, düsterster Geschichte spricht. Noch manches sehen wir in diesen wenigen Tagen. Wir stehen in den intim wirkenden Räumen des Parlaments, in denen schon die Sitzanordnung bedingt, dass man sich nicht voreinander produziert, sondern wirklich miteinander spricht, wir bewundern die riesigen Bildwerke vergangener Kulturen und die kunstvollen Produkte europäischen Handwerksfleisses im Britischen Museum, und im technischen Museum belächeln und bestaunen wir zahllose Maschinen und Geräte aus den Anfängen unseres technischen Zeitalters. Freie Rede – Geachteter Gegner
Hier, wo der Engländer frei seine Meinung als Sinn oder Unsinn sagt, wo man politische oder religiöse Meinungsverschiedenheiten nicht mit Beleidigungen und Faustkämpfen ausficht, sondern mit der scharfen Klinge des Gedankens und des Wortes, unter ständiger Achtung des Gegenübers als eines Menschen von gleichem Wert und mit gleichem Recht, hier, wo man auch dem Andersdenkenden zuzuhören versteht, ohne sich in seiner freigebildeten Meinung beeinflussen zu lassen, hier spürten wir mehr als irgendwo sonst die wirkende Kraft einer jahrhundertealten demokratischen Tradition. Fahrt ins Ferienlager
Schliesslich kommen wir im Ferienlager Marton an, freudig begrüsst vom Lagerleiter, den englischen Lehrern und dem halben Hundert Jungen und Mädel aus Northumberland, die hier mit uns und den sechzehn französischen und sieben norwegischen Jugendlichen, die bald nach uns eintreffen, ihre Ferien verbringen wollen. Unser Lebensbereich
Schnell ist das Lager erkundet, abseits liegt es inmitten von Heide und Wald.
Alles herzlich und hilfsbereit
Bei Tisch und in den Schlafsälen, bei Sport und Spiel lebt man miteinander und ist bald nur noch eine einzige Gemeinschaft gleichgesinnter froher jungen Menschen. Es dauert nicht lange, da sprechen auch die Deutschen untereinander fast nur noch Englisch, und mancher wundert sich darüber, dass er noch in London soviel Angst davor hatte, auch nur einen Schutzmann nach dem Weg zu fragen. Schwung im Tagesplan
Weitere Erfolge bringen unserer Gruppe auch die verschiedenartigster Sportwettkämpfe. So gibt es erste Preise im Weitsprung, Schwimmen und Tischtennis. Sportlicher Höhepunkt aber sind die zwei Fussballspiele einer Lehrer- gegen eine Schülermannschaft, die von den Lehrern sogar knapp gewonnen werden. (Kommentar dazu: "Mensch, das müsste es bei uns in Hilden auch mal geben !")
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Erlebte Landschaft Schönste gemeinsame Erlebnisse aber sind die Busfahrten durch das englische Land; die erste, an der wohnwagenübersäten walisischen Küste entlang, zum Seebad Llandudno, die zweite durch das Bergland des Peak-District mit seinen kahlen Kuppen und den hübschen Tälern, die uns zuweilen an die bergische Heimat erinnern.
Ein andermal geht es in das mittelalterliche Chester mit seinen römischen Bauresten, der weiträumigen Kathedrale und den eigenartigen Fachwerkhäusern, deren Laubengänge in das erste Stockwerk verlegt sind, so dass man zwei Reihen von Geschäften übereinander findet.
Eine Fahrt voller Wunder
Wie sehr wir Freunde wurden Als wir wenige Tage später wieder den Bus besteigen, ist es, um die Heimfahrt anzutreten. Viele tun es mit schwerem Herzen, "Könnten wir doch noch eine oder zwei Wochen bleiben!" Schwere Herzen auch bei den Zurückbleibenden, die uns nachwinken, und es wird offenbar, wie sehr wir Freunde wurden. Als Trost bleiben die privaten Einladungen zu Besuchen in Northumberland und die Pläne, im nächsten Jahr wiederzukommen, koste es, was es wolle, und sei es mit dem Fahrrad.
Dieser Ausdruck des Zusammenfindens mag der schönste Lohn und Dank für die Veranstalter des Education Committee der Grafschaft Northumberland sein und sie zu weiteren ähnlichen Unternehmungen ermutigen. .-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.--.-.-.-.-.-. Die Rheinische Post schrieb am 18. August 1960
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Hier ein Artikel aus einer englischen Zeitung - soweit er entziffert werden konnte.
Winsford Guardian
Teenagers of four Nations meet at Marton Camp An international gathering has been held at Northumberland Education Commitee`s Marton Camp School at Whitegate for the past nine days. Until next Tuesday, 60 boys and girls from Northumberland will be hosts of 18 boys from Germany, seven boys and girls from Norway and 16 boys and girls from France. The boys and girls are 14 to 17 years old. The focal point of the camp at Marton is the swimming pool, where these young people talk, play handball or netball by the side of the pool or swim in it. The friendly relationships which have sprung up; are numerous and the basic atmosphere of the camp is one of freedom. The boys and girls, however, need no compulsion to go on trips to Snowdonia, Llandudno, the Peak District (including Chatsworth House and Castleton) and Caernarvon. The Peak District trip returned via Jodrell Bank to allow the young visitors to see the famous radio telescope.
Third camp
Mr. T. Twaddle told the "Guardian" the scheme was carried out to give Northumbrian children, who could not afford to travel abroad the opportunity to meet and talk with foreigners.
Worthwhile
This liking for England and obvious enjoyment of being in the camp was shared by a 16-year-old German boy Lothar Bochem from Dusseldorf.
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Stand: 08.08 2009