Nicht gehaltene Trauerrede
des Vertreters der ehemaligen Schülerinnen und Schüler
der Wilhelm-Fabry-Realschule Hilden
bei der Gedenkfeier für
Hans-Günter Eckerth am 23.09.2004
im Ev. Gemeindehaus Schulstraße 35
vermißt von Frau Elli Eckerth

Verehrte Frau Eckerth
liebe Familie Eckerth,
die Herren Bürgermeister,
Herr Landrat,
liebe ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Damen und Herren.

Eine Familie trauert um den verstorbenen Ehemann, Vater und Großvater,
eine Stadt um einen verdienten Bürger,
Schülerinnen und Schüler um einen Lehrer,
Lehrerinnen und Lehrer um einen ehemaligen Kollegen
und ich trauere um ein Menschen, der mich wie kein Zweiter außerhalb meiner Familie ausgebildet, gebildet, gefördert und geprägt hat.
Und dies ist mehr als vier Jahrzehnte her, mir aber noch sehr präsent.

Hans-Günter Eckerth war 1956 mein erster Klassenlehrer in der neuen Städt. Knabenrealschule und wir seine erste Klasse.
Wir waren etwa 10 - 11 Jahre, er gerade 30 Jahre alt; also kein Vater - Sohn-Verhältnis, sondern etwas sehr Spezielles.
Eine Junglehrergeneration, den Kriegswirren entronnen, trat mit dem festen Vorsatz an, aus der deutschen Jugend standhafte Demokraten zu machen, die sich niemals mehr von einer Ideologie verblenden lassen, sondern wie selbstverständlich verantwortungsbereite Gestalter eines demokratischen Gemeinwesens werden sollten.
Und diese Schülergeneration prägt nun seit gut einem Jahrzehnt die Geschicke unseres Landes, des Kreises und der Stadt.

Da Herr Eckerth diese Entwicklung sehr bewußt miterlebt und vor Ort gewiß nichts dem Zufall überlassen hat, sind heute etliche Kommunalpolitiker unter uns, auf die er sehr stolz war, wie ich aus Gesprächen mit ihm weiß.
Der lapidare Satz: "Der ist auch ein Ehemaliger !" klang aus seinem Munde wie ein Ritterschlag, von dem ich hoffe, daß die vielen nachfolgenden Schülergenerationen ihn auch einmal als eine Bevorzugung betrachten, der ihr Leben beeinflußt hat.

Die Städtische Knabenrealschule Hilden, gegründet im Frühjahr 1955 - seit Sommer 1960 trägt sie den Namen Wilhelm-Fabry-Realschule - habe ich nur im Schulgebäude an der Gerresheimer Straße 74 erlebt. Der Neubau am Holterhöfchen war für uns schierer Traum, denn wir waren noch eine Schule "auf Wanderschaft", d.h. mangels eigener spezieller Räumlichkeiten bekamen wir Werkunterricht in der Schule Schulstraße, Physik- und Chemieunterricht im Keller der Schule Augustastraße.

Trotz dieser schwierigen Bedingen war unsere Schule - so empfanden wir es - eine Kaderschmiede, immer im Wettstreit mit anderen weiterführenden Schulen.
Bei Sportveranstaltungen auf Landkreisebene wurde dies besonders deutlich.

Herr Eckerth war drei Jahre lang mein Klassenlehrer, aber 6 Jahre lang auch mein Lehrer für Geschichte und Deutsch. Gibt es heute noch Schüler oder Schülerinnen, die so lange kontinuierlichen Geschichtsunterricht haben ?

Und diesen Unterricht nutzte Herr Eckerth durch sein nicht erklärbares, sondern einfach vorhandenes Geschick, uns zu verdeutlichen, warum in dieser Welt etwas so ist wie es ist.
Ich besitze noch meinen alten Schulatlas mit den Staatsgrenzen aus der Kolonialzeit, aber auch noch das Erdkundeschulbuch "Ostfeste". Fächerübergreifende Wissensvermittlung beflügelte unsere Neugier auf andere Länder, andere Kulturen.
Etliche von uns, wie sich jetzt beim Aufbau der Internetpräsenz der Ehemaligen http://www.fabryaner.de zeigt, haben unser Land dauerhaft verlassen und nehmen diese Grundprägung mit.
Für dieses erfolgreiche Mühen um meine Nachkriegsgeneration darf ich mich hier bei meinen anwesenden ehemaligen Lehrern bedanken.

Da aber hinter jedem großem Mann auch eine starke Frau steht, gehört unser Dank auch Ihnen Frau Eckerth. Sie und Ihre Familie haben ihn unterstützt, in dem Sie auch auf ihn verzichtet haben, wenn er als Kommunalpolitiker unterwegs war oder viel Zeit in seine Schule, und seine Schülerinnen und Schüler investierte.

Ehepaar Eckerth am 18.11.2000 zum 75. Geburstag im Alten Rathaus von Hilden

Wir Ehemaligen der Wilhelm-Fabry-Realschule sind traurig, da ein erfülltes Menschenleben beendet ist, aber ebenso dankbar, daß gerade wir Hans-Günter Eckerth zum Lehrer und letztlich auch zum Freund haben durften.

Als Christ glaube ich, daß der Gott der nimmt, auch die Kraft gibt, mit dem Verlust zu leben. Und diese Kraft wünsche ich Ihnen, verehrte Frau Eckerth.

Dietmar Jendreyzik

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